redlist ROTE LISTE DER
GEFÄHRDETEN ANTIKEN KAMBODSCHAS
icom museum

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Über zwei Jahrtausende haben die Khmer Objekte geschaffen, die wegen ihres ästhetischen Wertes besonders geschätzt sind. Viele solcher Objekte sind integraler Bestandteil von Tausenden von historischen Stätten überall in Kambodscha, heute Zeugnisse der reichen Geschichte des Königreichs. Die prähistorische Geschichte Kambodschas ist immer noch weitgehend unerforscht. Die Plünderung von historischen Stätten aller Zeitepochen aus Kambodschas Vergangenheit nimmt der Welt die Chance, die einzigartigen Anfänge wie auch die weitere Entwicklung der Khmer-Zivilisation zu verstehen. So erscheint es dringend geboten, dem illegalen Handel mit Antiken aus Kambodscha ein Ende zu setzen.

Die Rote Liste umfasst folgende Kategorien von Objekten :
(Die Objekte sind nach Materialgattungen geordnet. Die Aufnahmen für die Abbildungen der einzelnen Kategorien wurden vom Kambodschanischen Nationalmuseum, von der École Française d'Extrême-Orient sowie von der Heritage Watch zur Verfügung gestellt, bei den Bildnachweigsen abgekürzt als NMC, EFEO und HW. Die ausgewählten Aufnahmen stellen keine gestohlenen Objekte dar, sie stellen vielmehr Vergleichsobjekte zu den Objektkategorien, die vom illegalen Handel betroffen sind. Innerhalb dieser Kategorien sind die Objekte in vier Zeitperioden dargestellt.)

METALL (darunter Bronze, Kupfer, Eisen, Gold und Silber)

  1. VORGESCHICHTE
  2. PRÄ-ANGKOR
  3. ANGKOR
  4. POST-ANGKOR

STEIN (einschließlich Halbedelsteine)

  1. VORGESCHICHTE
  2. PRÄ-ANGKOR
  3. ANGKOR
  4. POST-ANGKOR

KERAMIK UND GLAS

  1. VORGESCHICHTE
  2. ANGKOR
  3. POST-ANGKOR

ORGANISCHES MATERIAL

  1. POST-ANGKOR

Kontext

Geraubte Tempel in Bakan.
Geraubte Tempel in Bakan. © Andrew Burke

Die kambodschanische Regierung ergreift weitreichende Maßnahmen, um das Kulturerbe des Landes zu schützen, aber trotzdem kann den verbreiteten Plünderungen und der Zerstörung von archäologischen Fundstätten nicht Einhalt geboten werden. Schon seit Jahrzehnten haben es die Plünderer vor allem auf Bronzen und Steinskulpturen aus der Angkor- und Post-Angkor-Periode abgesehen. Mit der Plünderung von prähistorischen Friedhöfen ist das ganze Land unlängst von einer neuen Zerstörungswelle betroffen worden.

Die Suche nach antiken Kunstgegenständen wird durch die Nachfrage in Kambodscha wie auch auf dem internationalen Markt angeheizt. Der illegale Handel mit Gegenständen aller Art und Material, von der prähistorischen Periode bis zum 19. Jahrhundert, entzieht dem Land sein reiches Kulturerbe. Skulptur, Bauzier, altertümliche Kultgegenstände, Bronzen, kunsthandwerkliche Arbeiten aus Eisen sowie Objekte aus Holz und Keramik werden immer noch in einem erschreckenden Umfang illegal exportiert.

Kambodschas kulturelles Erbe ist für die Bevölkerung von herausragender Bedeutung. Der Stolz auf das Kulturerbe Kambodschas kommt in der Entscheidung zum Ausdruck, die antike Tempelanlage von Angkor Wat als Symbol in die Landesflagge aufzunehmen. Ferner ziehen die historischen Stätten wie der Archäologische Park von Angkor Touristen aus aller Welt an und stellen damit eine wirtschaftliche Ressource für Kambodscha dar. Aus diesen Gründen werden Bedrohungen des kambodschanischen Kulturerbes von der internationalen Gemeinschaft ernst genommen.

Zielsetzung

Die vorliegende Rote Liste wurde herausgegeben, um Museen, Sammler, Kunst- und Antiquitätenhändler sowie Zoll- und Polizeibeamte dabei zu unterstützen, Objekte zu erkennen, die möglicherweise geplündert und illegal aus Kambodscha exportiert wurden. Dazu illustriert und beschreibt die Liste mehrere Kategorien von Objekten, die besonders gefährdet erscheinen, auf dem Antiquitätenmarkt illegal gehandelt zu werden. Diese Objekte sind durch kambodschanische Gesetze geschützt, die den Verkauf und Export verbieten. Deshalb appelliert ICOM an Interessenten für Kunst und Antiquitäten aus Kambodscha, angebotene Objekte nur dann zu erwerben, wenn der Herkunftsnachweis und die legale Einfuhr durch entsprechende Dokumente belegt sind.

Aufgrund der Vielfalt der Objekte kann die Rote Liste gefährdeter Antiken Kambodschas keine Vollständigkeit anstreben. Deshalb sollten antike Kunstwerke, die möglicherweise aus Kambodscha stammen könnten, einer detaillierten Prüfung unterzogen und nur mit der gebotenen Vorsicht behandelt werden.

Im heutigen Kambodscha gibt es nach wie vor ein vitales und leistungsfähiges Kunstgewerbe: Kunsthandwerker stellen Textilien, Lackarbeiten, Bildwerke aus Stein sowie Holzschnitzereien her, die sich an den künstlerischen Traditionen des Landes orientieren. Der Handel mit diesen Objekten soll durch die Veröffentlichung dieser Liste selbstverständlich nicht beeinträchtigt werden, denn er ist die Grundlage für die kontinuierliche Entwicklung von Kambodschas lebendiger Kunstgewerbetradition.
Mit der Unterstützung von :
U.S. Department of State
Bureau of Educational and Cultural Affairs